Offenes Ohr: Was tun bei Trommelfellriss?

Posted by theblogartist at Juni 1, 2013

Category: Gesundheit & Wohlfühlen

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Das Wattestäbchen zu tief eingeführt und schon ist es geschehen. Das Trommelfell ist gerissen. Sofern der Riss klein ist, gibt es selten Probleme. Er wächst von allein wieder zu. Anders bei einem großen Riss. Hier muss unter Umständen operiert werden. Denn sonst drohen bleibende Schäden wie der Verlust des Gehörs.


Sie ist nur etwa 80 Quadratmillimeter groß und einen Zehntelmillimeter dick – und trotzdem ist die winzige Membran entscheidend für unser Hören. Die Rede ist vom Trommelfell! Es liegt tief im Gehörgang des Ohres und ist auf diese Weise gut geschützt. Trotzdem kann es durch verschiedenste Ursachen zu Verletzungen des Trommelfells kommen. Im Einzelfall kann dies zum kompletten Hörverlust führen.

Das Trommelfell – Mittler im Hörprozess

Beim Hören fängt das Trommelfell die Schallwellen, die durch die Luft übertragen werden, auf und leitet sie an das Mittelohr weiter. Das Trommelfell wird dabei in Schwingungen versetzt. Diese Schwingungen werden auf die angrenzenden Gehörknöchelchen im Mittelohr übertragen. Die Bewegung von Hammer, Ambos und Steigbügel leiten den Schall bzw. den akustischen Reiz an das Innenohr und spezielle Sinneszellen weiter. Die wandeln den akustischen, mechanischen Reiz in einen elektrischen Nervenreiz um, der schließlich im Gehirn verarbeitet wird. 

Das Trommelfell ist also Mittler in der Schallübertragung. Gleichzeitig ist es aber auch ein Schutz. Denn das Mittelohr mit den Gehörknöchelchen ist ein steriler Raum. Wird das Trommelfell verletzt, können Erreger ins Mittelohr eindringen und für schmerzhafte Entzündungen sorgen. 

Wenn das Trommelfell platzt

Es braucht nur eine starke plötzliche Druckschwankung und das Trommelfell platzt. Ursache kann zum Beispiel eine Ohrfeige oder eine Explosion sein, oder aber auch eine Druckschwankung beim Tauchen oder im Flugzeug. Meist entsteht dabei ein Riss oder ein Loch im Trommelfell.

Typische Symptome sind dann stechende Schmerzen und plötzlicher Hörverlust. Manchmal kommt es sogar zu leichten Blutungen aus dem Gehörgang. Aber auch durch direkte Gewalteinwirkung kann das Trommelfell Schaden nehmen. Da reicht es manchmal auch schon, das Wattestäbchen zu tief in den Gehörgang einzuführen.

Wichtig ist, nachdem solche Verletzungen diagnostiziert wurden, das Ohr zu schützen und zu verhindern, dass Wasser und damit auch Bakterien in das Mittelohr eindringen können. Geeignete Mittel sind spezielle Cremes, die den Gehörgang verschließen, oder entsprechende Verbände und Pflaster.

Therapie bei Trommelfellverletzung

Das Trommelfell hat erstaunliche Selbstheilungskräfte. Dennoch ist es ratsam, bei einem Verdacht auf Trommelfellriss sofort den Arzt aufzusuchen. Der kann dann die Schwere der Verletzung feststellen. Und durch Hörtests lässt sich auch erkennen, ob die Gehörknöchelchen Schaden genommen haben.

Kleine Trommelfellverletzungen können von selbst wieder ausheilen. Größere Risse werden meist vom HNO-Arzt unter örtlicher Betäubung mit einer Silikon-Folie geschient. Die losen Enden des Trommelfells wachsen dann entlang der Membran zusammen. Wenn sich das Trommelfell nicht wieder verschließt, muss eine Operation unter Vollnarkose vorgenommen werden. Dabei wird das Trommelfell dann mit körpereigenem Bindegewebe rekonstruiert.

Akute und chronische Mittelohrentzündung

Bei einer akuten Mittelohrentzündung kann das Trommelfell ebenfalls platzen. Infolge eines Schnupfens können Bakterien über die Tube in das Mittelohr einwandern. Sie vermehren sich und Eiter entsteht, der den Raum im Mittelohr anfüllt und auf das Trommelfell drückt. Der Grund für die oft großen Schmerzen bei einer Mittelohrentzündung. Schließlich kann der Eiter das Trommelfell durchdrücken und zum Platzen bringen. Der Eiter fließt ab und das Trommelfell heilt üblicherweise von alleine wieder zu.

Falls die Mittelohrentzündung aber chronisch wird, wiederholt sich der Vorgang, bis schließlich ein dauerhaftes Loch im Trommelfell bleibt. Durch dieses Loch könnten dann auch von außen Bakterien eindringen , die wiederum zu Entzündungen führen.

Spezialfall Cholesteatom

Das Trommelfell weist manchmal Schwachstellen am Übergang zum Knochen auf. An diesen Schwachstellen können kleine Löcher entstehen, durch die dann Hautzellen in das Mittelohr einwandern. Es bildet sich eine sogenannte Perl-Geschwulst, ein Cholesteatom.

Diese Wucherung kann ebenfalls zu dauerhaften Entzündungen im Mittelohr führen. Das Loch im Trommelfell kann durch diese Geschwulst vergrößert werden. Aber schlimmer noch sind die Entzündungen, die dann die Gehörknöchelchen angreifen und langsam zerfressen. Im weitern Verlauf können das Gleichgewichtsorgan und der Gesichtsnerv davon betroffen sein.

Bei einem Cholesteatom muss immer operiert werden. Dabei entfernen die Spezialisten die Geschwulst. Im Bedarfsfall können die bereits zerstörten Gehörknöchelchen auch durch winzige Prothesen aus Titan ersetzt werden.

 

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