Absichtliche Aids-Infektionen – Mutmaßlicher HIV-Musiklehrer unterrichtet weiter

Posted by theblogartist at April 15, 2014

Category: Krankheit

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Er soll 16 Menschen mutwillig mit Aids infiziert haben – und darf offenbar trotzdem weiter eine Musikschule betreiben. Dort hat er anscheinend einige seiner Opfer angesteckt. Dem Staatsanwalt aber fehlt laut Medienberichten jede Handhabe.
Der Schweizer Musiklehrer soll in der Nähe von Bern mindestens 16 Menschen gezielt mit dem HI-Virus infiziert haben. Gegen ihn ist deshalb Anklage erhoben worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Das hindert den Lehrer aber offenbar nicht daran, weiter seine Musikschule zu betreiben. Nach Angaben des Schweizer Online-Portals „20minuten.ch“ hat er nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft schon 2010 sogar Werbefilme für die Schule publiziert.

In diesen Filmen zeigt er sich den Angaben zufolge mit Schülern und rühmt die gute, respektvolle Atmosphäre. „Ich benutze nie die Peitsche, sondern die Liebe“, soll er im Video selber sagen. Der Staatsanwalt allerdings wirft ihm vor, seinen Opfern HIV-verseuchtes Blut gespritzt zu haben – unter anderem in der Musikschule.

Musiklehrer soll auf Groupon für Schule geworben haben

Dem „Heiler“ werden in der Anklageschrift schwere Körperverletzung und die gezielte Verbreitung von Krankheiten in 16 Fällen vorgeworfen – der HI-Virus löst bei Infizierten in den meisten Fällen Aids aus. Manche Taten sollen bereits mehrere Jahre zurückliegen.

Laut „20minuten.ch“ hat der Musiklehrer nun sogar auf Gutscheinportalen wie Groupon für seine Schule geworben. Das Unternehmen habe inzwischen reagiert. Eine Sprecherin wird mit den Worten zitiert, man werde den Kunden eine Mail schreiben und mitteilen, „dass es aus unvorhergesehenen Gründen nicht mehr möglich ist, den Gutschein einzulösen“.

Der „Heiler“ wollte angeblich ein „drittes Auge“ öffnen

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Mann das HIV-Blut von einer oder mehreren infizierten Personen beschaffte. Seine Opfer soll er unter Vorwänden dazu gebracht haben, sich von ihm stechen zu lassen oder sie unangekündigt mit einem infizierten Gegenstand gestochen haben.

Mehrere Opfer gaben nach Angaben der Zeitung „Blick“ an, der Musiklehrer habe ihnen etwas in den Nacken oder Rücken gespritzt, um ihnen ein „drittes Auge“ zu öffnen. Andere Betroffene erklärten, der „Heiler“ habe sie mit Medikamenten in Getränken bewusstlos gemacht.

Der mutmaßliche Täter streitet alles ab

Als die HIV-Infizierungen sich bei Patienten häuften, forschte das Inselhospital in Bern nach und fand heraus: Alle betroffenen Personen waren bei dem sogenannten „Heiler“ in Behandlung. Als das erkannt wurde, nahm die Polizei Ermittlungen auf.

Dass sie erst jetzt, nach mehr als sieben Jahren, zu einer Anklage führten, hing auch mit der Schweigepflicht der Ärzte zusammen. Nicht alle Betroffenen stimmten gleich der Weitergabe ihrer Identität zu. Und bei jedem musste abgeklärt werden, ob sie sich nicht anderswo infiziert haben könnten. Kompliziert waren die Ermittlungen aber auch, weil der mutmaßliche Täter alles abstritt.

Gegen den Musikschul-Betrieb ist der Staatsanwalt machtlos

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe in der Vernehmung bestritten. Er selbst ist laut „Blick“ nicht mit dem HI-Virus infiziert. Die Tatmotive in dem für die Schweizer Kriminalgeschichte einmaligen Fall seien auch für die Ermittler noch weitgehend unklar. Ein Termin für den Prozessbeginn wurde zunächst nicht genannt.

Gegen den Betrieb der Musikschule jedenfalls kann die Staatsanwaltschaft nach Angaben von „20minuten.ch“ nichts machen. Die Voraussetzungen für eine U-Haft seien derzeit nicht mehr gegeben, heißt es. Seit 2005 habe es auch keine Anhaltspunkte für weiteres strafbares Verhalten gegeben. Ein Sprecher: „Darum hat die Staatsanwaltschaft keine Handhabe, den weiteren Betrieb der privaten Musikschule durch Untersuchungshaft oder Ersatzmaßnahmen zu unterbinden.“
 
Ursprünglich veröffentlicht: 

http://www.focus.de/panorama/welt/absichtliche-aids-infektionen-mutmasslicher-hiv-musiklehrer-unterrichtet-weiter_aid_812353.html